Gasversorger schicken längst teils saftige Preiserhöhungen an ihre Kund:innen. Ende Oktober kommt noch die Gasumlage hinzu. Rechtlich ist Vieles noch nicht abschließend geklärt. Wir geben Orientierung zu wichtigen Fragen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit der Gasumlage will der Gesetzgeber Unternehmen (Gasimporteure) stützen und die dafür notwendigen Kosten an Verbraucher:innen durchreichen. Eine Beispiel-Familie mit einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr wird wohl eine Umlage in Höhe von 520 Euro brutto zahlen.
  • Die Bundesregierung plant einen Ausgleich: Die Mehrwertsteuer könnte für Gas von derzeit 19 auf 7 Prozent gesenkt werden. Und das nicht nur für die Umlage, sondern den ganzen Gasverbrauch.
  • Vorgesehen ist, dass alle Gasnutzer:innen die so genannte Gasbeschaffungsumlage zahlen sollen. Was viele nicht wissen: Jeder Gasversorger kann weiterhin die Preise „normal“ erhöhen, die Umlage kommt jeweils oben drauf.
  • In einigen Punkten wird aber über das zugrundeliegende Gesetz, die darauf basierende Rechtsverordnung und die richtigen Auslegung noch gestritten. Die Lage kann sich verändern. Konkret ist z.B. nicht klar, ob auch Verbraucher:innen mit einer Preisgarantie die Umlage zahlen müssen.

Mit deutlich gesunkenen Lieferungen aus Russland sind die Gaspreise kräftig angestiegen und die ausgefallenen Mengen müssen ersetzt werden. Die Bundesregierung hat darum unter anderem eine Zahlung beschlossen, die als „Gasumlage“ (oder „Gaspreisumlage“ / „Gasbeschaffungsumlage“) bekannt ist.

Viele Verbraucher:innen werden vermutlich schon ab dem Herbst 2022 deutlich mehr für ihre Gasheizung bezahlen müssen. Die Umlage trifft sowohl Eigentümer:innen einer selbst bewohnten Immobilie als auch Mieter:innen.

Gas droht durch zwei Faktoren deutlich teurer zu werden:

  1. Anbieter können die Preise erhöhen, wenn eine entsprechende Möglichkeit zur Änderung des Preises im Vertrag steht und z.B. der Gaseinkauf für sie teurer geworden ist. Sobald bei Sonderverträgen Preisgarantien enden, bekommen viele nun Post von ihrem Versorger, der die Erhöhungen ankündigt. Neukunden, die sich gerade nach einem Tarif umsehen, werden die stark gestiegenen Preise ohnehin überall sehen.
  2. Ab Herbst sollen Kostensteigerungen bei Gasimporteuren, die Ersatz für nicht geliefertes russisches Gas beschaffen müssen, an Verbraucher:innen weitergereicht werden dürfen. Davon ist nun viel in der Öffentlichkeit die Rede, meist wird das Verfahren Gasumlage genannt (darum tun wir das in diesem Text auch).

Wichtig: Die Umlage soll auf die ohnehin steigenden Preise aus dem ersten Punkt noch aufgeschlagen werden. Es kann Ihnen leicht passieren, dass Sie beides zahlen müssen – eine Erhöhung und die Umlage.


Die Gasumlage ist am 15. August 2022 auf 2,419 Cent pro Kilowattstunde festgesetzt worden (zzgl. Steuern). Eine Beispiel-Familie mit einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr würde eine jährliche Umlage von 520 Euro brutto zahlen – vorausgesetzt, die Umlage bleibt unverändert auf dem aktuellen Niveau.

Die Bundesregierung überlegt, mit der Gasumlage gleichzeitig die Mehrwertsteuer auf Gas insgesamt auf 7 Prozent zu senken. Darum geben wir oben die jährlichen Mehrkosten in brutto an, also inklusive der Steuer in dieser Höhe. Beschlossen ist diese Steuersenkung aber noch nicht (Stand 18. August 2022).


Die Gasumlage ist in der Geschichte der Bundesrepublik etwas Neues. Viele fragen sich, warum ein solcher Eingriff stattfindet und die Endverbraucher:innen mehrfach zur Kasse gebeten werden. Hintergrund ist, dass Russland über den staatlichen Konzern Gazprom nicht so viel Gas liefert wie in den Verträgen mit hiesigen Unternehmen steht.

Damit Gas bei Ihnen im Heizkessel ankommt, finden in der Regel folgende Geschäfte statt:

  1. Es gibt spezialisierte Gasimporteure, die zum Beispiel mit russischen Unternehmen langfristige Verträge haben. Da Russland seit einer Weile deutlich weniger Gas liefert als in den Verträgen vereinbart ist, müssen die Gasimporteure sich nun nach anderen Quellen umsehen. Und hier liegt das Problem: Diese kurzfristigen Ersatzkäufe sind deutlich teurer. Die Gasimporteure argumentieren, dass sie nicht damit rechnen konnten, dass Russland seine vereinbarten Mengen nicht mehr liefert. Sie sehen sich nun unverschuldet mit hohen Zusatzausgaben belastet. Der größte Konzern in diesem Bereich ist in Deutschland Uniper.
  2. Versorger, die Gas an die Endkund:innen in Deutschland verkaufen, sind z.B. Stadtwerke und größere Konzerne wie Eon und Vattenfall. Sie kaufen bei den Gasimporteuren ein und verkaufen diese Mengen dann an ihre einzelnen Kund:innen weiter. Auch die Versorger haben meist langfristige Verträge mit den Gasimporteuren.
  3. Sie als Verbraucher:in schließlich haben entweder direkt Verträge mit den Versorgern oder bekommen von Ihrer Vermieterin / Ihrem Vermieter eine jährliche Heizkostenabrechnung. Auch viele Verbraucher:innen und viele Vermieter:innen haben Verträge mit Preisgarantie abgeschlossen – dachten also oft, dass sie vor Erhöhungen wegen gestiegener Beschaffungskosten geschützt seien.

Da die Gasumlage und ihre Höhe auf 2,419 Cent beschlossen ist (zzgl. Steuern), werden nun vermutlich die Versorger Millionen Mitteilungen an ihre Kund:innen versenden und die Umlage als weitere Erhöhung auf den Gaspreis ankündigen.

Dabei muss alles vergleichsweise schnell gehen und rechtlich ist das ganze Verfahren Neuland. Wir versuchen darum, hier häufige Fragen, soweit wir das bisher können, zu beantworten. Die Lage kann sich in den kommenden Wochen noch verändern. Schauen Sie darum im Zweifel erneut hier nach.

Lassen Sie sich bei Unklarheiten unabhängig beraten, z.B. bei den Verbraucherzentralen.

Für Mieter:innen ist auch der Deutsche Mieterbund eine Anlaufstelle.